Der ungeliebte "Banker"!
Als ich vor vielen Jahren in die Rekrutenschule einrücken durfte, musste ich mich von einem Tag auf den anderen an viel Neues und nicht nur Erfreuliches gewöhnen.Dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist wurde mir schnell klar, denn auch ich konnte mich mit der Zeit, trotz viel Unbehagen, an die neue Lebensart gewöhnen. Doch eines habe ich nie geschafft und ich habe mich auch erfolgreich dagegen gewehrt, an die Sprache, an den derben Umgangston und vor allem das Vokabular. Sobald man in der Uniform und unter Gleichgesinnten war, wurde untereinander in einer mir bisher unbekannten Sprache kommuniziert. Schweizer Mundart, ja, aber das Vokabular, der Wortschatz, der Ton, alles war anders. Und so kam es, dass ich gewisse Ausdrücke während meiner ganzen Militärzeit vermieden habe zu gebrauchen, auch als Ausdruck meiner wenig grossen Liebe zum Soldatenleben.
Später in der Berufswelt habe ich dann ähnliche Erfahrungen mit der Sprache gemacht und auch ähnliche Verhaltensmuster festgestellt. Als Seiteneinsteiger in die Geschäftswelt der Banken musste ich auch hier viel Neues dazulernen und tauchte in eine Welt ein mit einer eigenen Sprache. Dabei empfand ich aber nichts Verwerfliches, sondern das gehörte zum Alltag eines Berufes. Doch dann eroberten immer mehr Anglizismen die Fach- und Umgangssprache im Bankengeschäft. Was früher eher Ausdrücke aus dem französischen Sprachbereich waren, wurde nun durch einen englischen Ausdruck ersetzt. Ob Sinn oder Unsinn, mag dahin gestellt sein, das Bankengeschäft wurde auch in seinem Wesen „veramerikanisiert“. Geschäftsmodelle wurden neu geschrieben, englische Ausdrücke im Jargon eingebaut.
Nachdem gerade die Schweizer Banken in den letzten Jahren weltweit heftig ins Gerede gekommen sind, wurde mir bewusst, wie negativ einige Worte die ganze Branche belasten und verunglimpfen können.
Zum Beispiel der Bonus. Immer wieder Anlass zu Spekulationen und Verurteilungen. Das Wort jedoch, das mir am wenigsten gefällt und heute in der deutschen Sprachwelt auch in seiner Bedeutung sehr negativ belastet ist heisst: Banker! Im alten Sprachgebrauch hiess das: Banquier. Das vermeindliche Synonym zu Banker. So kann man das heute kaum mehr interpretieren. Man spricht vom Banker und meint damit ein geldgieriges Individuum. Der Banquier hingegen, das ist ein Mann von Welt dem man vertraut und dem man eine ethische Berufseinstellung zumutet. Umso mehr freut es mich, dass ich in einer französisch orientierten Schweizer Bank arbeiten darf, wo der Banquier noch seinen Platz hat und auch die französische Sprache zum Alltag gehört. Ob man "acheter" oder "vendre" will, bei uns werden die Kunden verstanden. Das einzige was wir aber nicht machen, wir verabschieden uns nicht auf „französisch“, denn wir leben den Beruf des Banquiers mit Anstand!
Markus Allemann
Sitzleiter Privatkunden in Basel
Diese Kolumne erschien am 10.04.2012 in der Basellandschaftlichen Zeitung bz