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Die Bargeldlose Schweiz

Markus Allemann

13.12.2016
Markus Allemann

 

Ist das wirklich unsere Zukunft? Bargeldlos durch die Welt zu ziehen, keinen Stress beim Geldwechseln mehr zu haben, keiner mehr, der mir mein Bargeld klauen kann! Aber was heisst da schon Zukunft? Eigentlich ist sie schon Realität, die Zukunft hat bereits angefangen!

 

Jedenfalls in ein paar wenigen Ländern ist sie schon weit fortgeschritten. So sind vor allem nordeuropäische Länder schon bald bargeldlos angekommen. In Dänemark zum Beispiel werden bereits heute 95 Prozent des Geldverkehrs digital abgewickelt. Das will heissen, dass kaum jemand in Dänemark mehr Taschengeldauf sich trägt, sondern anstelle davon eine Fülle von Kredit-, Bank- und Einkaufskarten das Portemonnaie bereichert.

 

In letzter Zeit haben sich auch die Medien mit dem Thema des bargeldlosen Zahlungsverkehrs beschäftigt. Dazu gab es viele Expertenmeinungen zu lesen, die den zukunftsweisenden Trend unterstützen, und eher wenige Voten, die sich für die alte Welt mit Banknoten und Münzen einsetzen wollten. Dieses Thema betrifft natürlich nicht nur die Schweiz und den Schweizer Franken, sondern es handelt sich um einen Trend und eine neue Realität, die sich weltweit durchsetzen könnten. Das Bargeld soll also auf ewige Zeiten verschwinden. Gründe gibt es genug, die für die Abschaffung sprechen, zweifelsohne! Betrug, Drogenhandel, Geldwäscherei, Steuerhinterziehung, Umgehung der Negativzinsen und vieles mehr könnte man ohne Bargeld besser kontrollieren und möglicherweise sogar aus der Welt schaffen.

 

Es handel sich um einen Trend und eine neue Realität, die sich weltweit durchsetzen könnten.

 

Doch aus meiner Sicht sprechen ebenso viele Gründe dagegen, einen solch markanten Eingriff in die Privatsphäre eines jeden Individuums zu tätigen und damit die totale Kontrolle über die privaten oder geschäftlichen Geldflüsse zu erlangen. Verbrechen findet immer neue Wege, um Gesetze zu umgehen. Und das wird in der bargeldlosen Welt nicht anders sein. Wer etwas zu verstecken hat, wird erfinderisch, am Schluss sind es die Ehrlichen, die kontrolliert und transparent werden!

 

Wenn ich höre und lese, wie viel Betrug im Internet begangen wird, wie viel Kriminalität das Netz beherrscht, dann werde ich vorsichtig und argwöhnisch im Umgang mit meinen Bankdaten. Hacker, die Konti leeren oder falsche Rechnungen ausstellen, gehören heute zum Alltag. Hier passiert die moderne Kriminalität! Und gegen die kann ich als kleiner User wohl nur wenig machen, die Wahrscheinlichkeit, dass auch mir so etwas passiert, wird täglich grösser.

 

Weiter meine ich, dass zu viele Kredit- oder Geschäftskarten in der Tasche die Menschen sehr stark dazu verleiten, eher zu viel Geld auszugeben. Der Überblick über die persönlichen Ausgaben geht verloren. Am Ende des Monats kommen dann die Quittung und das grosse Staunen. «Wer soll das bezahlen?»

 

Auch wer grosse Bargeldmengen aus irgendwelchem Grund zu Hause oder im Banksafe bunkert, der hat schon heute grösste Mühe, diese wieder in Umlauf zu bringen. Grössere Beträge, wie zum Beispiel Autokäufe, werden kaum mehr bar abgegolten. Dafür sperrt alleine schon das Geldwäschereigesetz den Riegel vor.

 

So hoffe ich doch sehr, dass wir in der Schweiz auch in Zukunft als Alternative für den täglichen Gebrauch mit Bargeld unsere Einkäufe bezahlen dürfen und es auch in Zukunft an Weihnachten noch den Geschenkfünfliber auf der Tafel Schokolade für die Enkelkinder geben wird. Auch wenn das heute wohl kaum noch der Fünfliber ist, der die Schokolade bereichert, dann ist es halt die neue Fünfzigfrankennote. Eine etwas ungewohnte und sperrige Note, aber immerhin real und nicht digital.

 

 

Die Kolumne widerspiegelt die persönliche Meinung des Autors.

 

Markus Allemann ist Leiter Spezialprojekte am Hauptsitz in Basel.




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