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Vorsichtig-aggressiv ist das neue Konservativ

Mario Geniale

03.01.2017
Mario Geniale

 

Die Zinsen kennen nur eine Richtung und fallen von einem Tiefstand zum nächsten.

Verstärkt wurde diese Entwicklung in den letzten Jahren noch durch die Finanzkrise. Diese führte dazu, dass die grossen Zentralbanken ihren angeschlagenen Volkswirtschaften mit der Einführung von Negativzinsen unter die Arme griffen. Vorbei sind die Zeiten, wo man mit sicheren Obligationen eine anständige Rendite erwirtschaften konnte.

Das Gros der Investoren hält aus historischen Gründen allerdings noch immer einen bedeutenden Anteil an festverzinslichen Anlagen, fungieren diese doch als Sicherheitspuffer in Zeiten volatiler Aktienmärkte. So zumindest war es die Idee. Das ist auch der Grund, weshalb die grössten Investoren der Schweiz, namentlich die AHV und die Pensionskassen, verpflichtet sind, grosse Teile des Vermögens in Obligationen anzulegen. Die Quoten reichen bis zu 70 Prozent.

Nachdem wir rund drei Jahrzehnte sinkende Zinsen und damit steigende Obligationenpreise gesehen haben (das ist die sogenannte Bond-Rally), stehen wir nun vor einer Zeitenwende. Fertig lustig für Obligationenanleger könnte man auch sagen.

Warum?
In einem Umfeld, wo selbst 10-jährige Obligationen kaum über der Null-Prozent-Grenze rentieren und gleichzeitig höhere Zinsen erwartet werden, gerät das Chancen-Risiko-Verhältnis in arge Schieflage. Ein Zinsanstieg von einem Prozent kann vor diesem Hintergrund schnell zu einem Kursverlust auf Obligationen von über 7 Prozent führen.

Was tun?
Anlagestrategie anpassen! Wenn ein Grossteil der Anlagen im besten Fall eine schwarze Null versprechen, müssen Anleger umdenken. Einerseits muss die Titelauswahl im Obligationenportfolio geändert werden. Hier bieten sich verschiedene Formen von nachrangigen Instrumenten an, die bei leicht höherem Risiko teilweise deutlich mehr Zinsen bezahlen. Die Verwaltung solcher Titel ist aufwendig, wir empfehlen daher, in entsprechenden Anlagefonds zu investieren. In den nächsten Jahren rechnen wir zudem mit einem Anziehen der Konsumentenpreise, was zu höheren langfristigen Zinsen führen wird. Deshalb empfehlen wir inflationsgeschützte Anleihen als weitere Optimierung.

Andererseits erfordert die aktuelle Situation eine Überprüfung der Risikosituation für die kommenden Jahre. Dabei gilt es grundsätzlich, die Aktienquote längerfristig zu erhöhen, was nicht per se einer Erhöhung des Risikos gleichkommt, wie es üblicherweise interpretiert wird. Dies gilt insbesondere für konservative Anleger mit vielen festverzinslichen Anlagen. Es geht also darum, die Aktienpositionierung «überlegt» hochzufahren, ohne jedoch das Korrekturpotenzial aus den Augen zu verlieren. Gelöst wird diese scheinbare Quadratur des Kreises mittels einer intelligenten und systematischen Absicherungsstrategie über den Verkauf von Optionen und die damit verbundene Generierung einer Prämie. Diese Prämie wird alsdann für den Kauf einer Teilabsicherung der Aktienpositionen verwendet, was dazu führt, dass dieser Schutz nahezu «gratis» zustande kommt.

Damit wird zwar das Gewinnpotenzial der jeweiligen Aktien limitiert, jedoch auch ein grosser Teil der möglichen Kursverluste. Interessant dabei ist das attraktive Verhältnis zwischen Reduktion des Gewinnpotenzials und Minimierung des Verlustpotenzials. Ein Teilverzicht nach oben führt zu einer fast vollständigen Absicherung nach unten. Somit kann auch ein eher konservativer Anleger in den kommenden Jahren vorsichtig-aggressiv seine Aktienpositionierung erhöhen, ohne sich von seiner tieferen Risikoneigung abzuwenden. Auch in diesem Fall gibt es Anlagefonds, die diese Strategie abbilden. Für Kunden mit einem substanziellen Aktienengagement ist eine direkte Umsetzung dieser Strategie sinnvoll.

Schliesslich erachten wir eine strategische Positionierung in Edelmetallen als unerlässlich. Gold und auch Silber bieten einen Schutz in Zeiten von grösseren Marktverwerfungen. Schon eine kleine Positionierung im Bereich von 3–5 Prozent kann grössere Kursverluste bei Aktienanlagen zu einem wichtigen Teil kompensieren.

Die hier aufgezeigten Strategien sind nicht ganz neu. Optionen zum Beispiel werden seit jeher von Investoren verkauft, um eine Prämie zu erhalten, und gekauft, um von Kursgewinnen zu profitieren. Was sich verändert, ist die Motivation. Wir sehen Optionen im hier beschriebenen Kontext nicht aus einer spekulativen Sicht, sondern aus der Sicht einer systematischen Reduktion der Anlagerisiken. Benötigt wird hierbei ein gewisses Mass an Fachwissen und die richtigen Instrumente, um solche Strategien aufzustellen. Ihr Anlageberater steht Ihnen gerne zur Seite und begleitet Sie auf dem Weg ins neue Anlagezeitalter, wo vorsichtig-aggressiv das neue Konservativ ist.


Mario Geniale, Chief Investment Officer Banque CIC (Suisse)

 

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