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Anlageklasse mit ausgewogenem Chancen-Risiko-Profil

Mario Geniale, verantwortlich für die Anlagepolitik der Banque CIC (Suisse) und Experte im Portfolio Management, spricht im Interview über die aktuellen Entwicklungen auf den Märkten.

Wie schätzen Sie das aktuelle Klima bei Europäischen Anlagen ein?

Die aktuellen Renditen bzw. Risikoprämien europäischer Staatsanleihen können Anlegern fälschlicherweise glauben machen, dass es den EU-Staaten prächtig geht. Doch das leichte Wachstum in der Eurozone wird vor allem durch Deutschland getragen. In Italien und den Niederlanden schrumpfte die Wirtschaft zuletzt. Die Europäische Kommission hat die für 2015 erwartete Wachstumsrate von 1.7% im Februar um 0.1% gesenkt. Darüber hinaus stellt die steigende Spannung in der Ukraine ein reales makroökonomisches Risiko dar. Folglich steht die jüngste Erholung der europäischen Wirtschaft unserer Meinung nach auf wackligen Beinen. Diese Unsicherheit wie auch die politischen und ökonomischen Bedrohungen durch die Krise in der Ukraine und die anstehenden Europa-Wahlen, mahnen zur Vorsicht. Speziell bei den Obligation von Peripherieländern sind die Risikoprämien auf Niveaus gesunken, die nicht mehr nachvollziehbar sind. Aus diesem Grund empfehlen wir erste Gewinnmitnahmen bei Anleihen von mittlerer bis langer Laufzeit zu tätigen.

Aktien sind hoch bewertet und Anleihen werfen kaum Zinserträge ab. Was gibt es für Alternativen?

Eine attraktive Investitionsmöglichkeit bieten Wandelanleihen (Convertible Bonds): Kaum eine andere Anlageklasse besitzt in diesem Umfeld ein derart ausgewogenes Chancen-Risiko-Profil. Grundsätzlich sind Wandelanleihen festverzinsliche Papiere, die von Unternehmen herausgegeben werden und mit einem Wandlungsrecht ausgestattet sind. Während der Laufzeit kann der Anleger die Wandelanleihe in eine bestimmte Anzahl von Aktien des gleichen Unternehmens umwandeln. Somit hat eine Investition in Wandelanleihen zweierlei Vorteile: Auf der einen Seite erhält der Anleger Zinserträge, auf der anderen Seite partizipiert er an den Aktienmärkten. Eine Faustregel besagt, dass Wandelanleihen in Aufschwungphasen zwei Drittel der Kurszuwächse der Aktie mitmachen. Dafür gehen sie aber bei Abwärtsbewegung nur zu einem Drittel mit. Somit vereint die Wandelanleihe die Eigenschaften und Charakteristiken von Aktien und Obligationen und bietet eine aktienähnliche Rendite bei obligationen-ähnlichem Risiko. Einzelanlagen eignen sich nicht für Privatanleger, wir empfehlen Anlagefonds und verweisen dabei gerne auf unseren CIC CH Convert Bond Fonds, der seit Jahresbeginn zu den Besten in seiner Klasse gehört.

Sie erwarten dass die EZB wieder aktiv wird und beispielsweise die Zinsen weiter senken wird. Wie können Anleger von diesem Szenario profitieren?

Beispielsweise mit Währungen. Tatsächlich ist der Devisenhandel derzeit höchst interessant. Aufgrund der erwarteten tiefen Inflation wird die EZB gezwungen sein, das Deflationsrisiko mit weiteren Massnahmen wie einer geldpolitische Lockerung oder einer Zinssenkung zu vermindern. Der Entscheid wird im Juni erwartet. Die Erwartung einer Zinssenkung könnte den Euro kurzfristig weiter schwächen.

Wie positioniert sich die Banque CIC (Suisse) vor diesem Anlageumfeld?

Mitte Mai hat sich unser Anlageausschuss für eine Beibehaltung der Untergewichtung in Aktien und Obligationen ausgesprochen. In der regionalen Gewichtung der Aktienmärkte bleiben wir in den Emerging Markets weiterhin ausschliesslich im asiatischen Raum investiert. Für die Schweiz und Europa sind wir neutral gewichtet, d.h. gemäss Benchmark, wohingegen wir unsere Positionen im US-Markt übergewichten.