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China: hot... or not?

Viele Investoren behaupten, dass man zurzeit an den Kapitalmärkten nur sehr bescheiden Geld verdienen kann.

Zugegeben, es gab schon einfachere Zeiten. Doch die Wirtschaft ist ein dynamisches Gebilde, in dem ständig neue Chancen entstehen. Die grosse Kunst liegt darin, Zukunftstrends rechtzeitig zu erkennen und mit geeigneten Mitteln Investitionen zu tätigen. Leider ist eine korrekte Trendprognose jedoch viel schwieriger, als man denkt, und niemand ist vor Fehleinschätzungen gefeit. So verkündete 1993 Microsoft-Gründer Bill Gates seinen Mitarbeitern: «Das Internet ist nur ein Hype.» Eine kolossale Fehleinschätzung, wie wir heute alle wissen.

Einer der grössten Trends in der heutigen Zeit ist China. Viele sehen in diesem Land die Zukunft. Ist dem wirklich so oder reiht sich diese Prognose bloss in eine Reihe unzähliger weiterer Fehleinschätzungen? Klar, es gibt sehr viele und absolut überzeugende Punkte, die dafür sprechen. So ist China, gemessen an seiner Kaufkraft, die grösste Volkswirtschaft der Welt. Eine schier unerschöpfliche Quelle aus Human Power gibt dem Land eine unglaubliche Wachstumskraft.

Obwohl der asiatische Riese rückblickend kurzfristig ins Wanken geriet, ist China fundamental ein sehr gesundes Land. Bevor wir nun aber blind in China investieren, möchte ich den vermeintlichen Trend China noch aus einer anderen Perspektive beleuchten.

Im Schwellenland China gibt es sehr viele Unternehmer, die wie ihre westlichen Vorbilder agieren. Im Land herrscht jedoch noch weitgehend eine Planwirtschaft. Die kommunistische Partei hat das Sagen und zieht im Hintergrund die Strippen. Zwar haben es die Kommunisten geschafft, mit ihrem Führungsstil einen beispiellosen Wirtschaftsboom zu managen, langfristig wird die Regierung jedoch nicht um ein Umdenken herumkommen.

Durch das Wirtschaftswachstum erhöht sich unmittelbar der Wohlstand der chinesischen Bevölkerung. Der Fleischkonsum steigt, der Wunsch nach einem eigenen Auto reift. Das Bedürfnis nach politischer Freiheit oder sogar Meinungsfreiheit kann die nächste Wohlstandsfolge sein. Wie wird die Regierung damit umgehen? Würde der asiatische Riese solche inneren Forderungen unbeschadet überstehen?

In China herrscht zurzeit eine demografische Zeitbombe. Neben der steil ansteigenden Lebenserwartung wurde jahrzehntelang die «Ein-Kind-Politik» strikte durchgeboxt. Damit ergeben sich zwei Hauptprobleme. Zum einen sind zwei Generationen von Kindern herangewachsen, die materiell stark verwöhnt wurden und nie gelernt haben, zu teilen. Chinas Zukunft lastet auf den Schultern «kleiner Prinzen». Zum anderen ist ein demografisches Loch entstanden. Besonders besorgniserregend ist die Altersvorsorge – eine Lösung ist ausstehend. Die Regierung hat das Problem zwar erkannt und die Ein-Kind-Politik gelockert, womöglich aber zu spät.

Ein weiterer Punkt ist die fehlende bahnbrechende Innovationskraft in China. Beim Aufschwung der Industriestaaten hat jede Nation ihre eigenen Erfindungen hervorgebracht, die wie ein Dominoeffekt neue Innovationen mit sich brachten. Dies fehlt in China komplett. Japan hat in der Vergangenheit zwar auch sehr viel kopiert, setzte jedoch weltweit neue Massstäbe in der Fertigungseffizienz und der Qualität. Gilt doch in unserem Jahrhundert die technologische Innovationsfähigkeit als Schlüssel zu einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum, erscheint die Zukunft Chinas auch in dieser Hinsicht höchst ungewiss.

China steht unbestritten für Wachstumshunger und ein riesiges Heer an Konsumenten. Meiner Meinung nach ist das Bild von China jedoch komplett überbewertet. Hauptsächlich hochgeschaukelt durch den optimistischen Tunnelblick vieler Analysten, welche alle Probleme verharmlosen und China zum Hype antreiben. Mögen Sie sich noch an den Trend «Seltene Erden» erinnern? Wer das richtige Timing hatte, konnte damit durchaus gutes Geld verdienen. Der langfristige Anleger hingegen musste seit den Höchstständen eine Performanceeinbusse von über 80% hinnehmen. Für Trends sind solche Vorkommnisse nicht unüblich. Die Kunst, mit Trends Geld zu verdienen, liegt damit nicht nur darin, den Trend, sondern auch den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, um auszusteigen. Nicht anders auch bei China.

Dieser langfristige Trend ist zurzeit eher durch das Investorenverhalten getrieben als durch die nachhaltige Entwicklung des Landes. Trotzdem bietet dieser Trend immer wieder Möglichkeiten, zu profitieren. Das eine schliesst das andere nicht aus.

Die Kolumne widerspiegelt die persönliche Meinung des Autors.

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