Deal or no Deal: Das Britische Pfund plagt die Unsicherheit

Das britische Parlament entscheidet am 11. Dezember 2018 über das Brexit-Abkommen, welches von der britischen Regierung und dem Europäischen Rat gebilligt wurde. Die ausstehende Entscheidung widerspiegelt sich auch in der sehr hohen Volatilität des Britischen Pfunds.

Das britische Unterhaus hat diese Woche mit der Debatte über einen der wichtigsten Anträge in der jüngeren Geschichte begonnen: die Vereinbarung der Premierministerin Theresa May mit Brüssel über den Austritt Grossbritanniens aus der EU. Das Vereinigte Königreich wird die EU am 29. März 2019 verlassen. Wenn bis dahin kein Deal zustande kommt, wird die Standardoption darin bestehen, zu den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) zurückzukehren. Bei einem solchen Szenario käme es gemäss der Bank of England (BoE) zu einem Rückgang des BIP um bis zu 8% vom Höchststand, zu einem Sprung in der Inflation und der Arbeitslosenquote sowie zu einem möglichen Rückgang der Immobilienpreise um 30%.

 

Laut aktuellen Umfragen ist ein Grossteil der Abgeordneten gegen den Deal. Die Premierministerin versucht zurzeit so viele kritische Stimmen wie möglich vom Gegenteil zu überzeugen. Denn bei einem negativen Ausgang der Abstimmung – womit heute zu rechnen ist – bleiben alle Optionen offen. Ein chaotischer No-Deal-Austritt wäre tatsächlich möglich, wenn auch längst nicht zwingend. Das Chaos eines EU-Austritts könnte mit sogenannten Mini-Deals gemildert werden. Beispiele dafür wären Übergangsregeln für den Luftverkehr, für Rechte der EU-Bürger in Grossbritannien und umgekehrt, für Grenzkontrollen oder für reduzierte Beiträge zum EU-Haushalt. Die EU, die sich bislang zu solchen Mini-Deals nicht äussern möchte, würde angesichts fehlender Alternativen wohl doch darauf eingehen. Eine weitere Möglichkeit wäre ein zweites Referendum, für welches es in aktuellen Umfragen zwar grosse Mehrheiten, aber auch heftige Opposition gibt.

 

Stimmt das Parlament für den Deal, ist das weitere Vorgehen klar: Das Vereinigte Königreich träte offiziell aus der EU aus, bliebe aber bis auf Weiteres deren Regeln unterworfen. Die zukünftige Handelsbeziehung würde zu einem späteren Zeitpunkt ausgehandelt. Zudem würden die Geschäftsinvestitionen steigen und die BoE könnte die Leitzinsen im Mai 2019 erhöhen.

 

Die Unsicherheit – ob Deal oder no Deal – verunmöglicht dem Britischen Pfund aktuell weitere Gewinne zu verbuchen. Die Volatilität bleibt bis zum 11. Dezember 2018 sehr hoch. Jedes Umfrageresultat und politische Statement kann grosse Auswirkungen auf den Kurs haben – auf die eine oder andere Seite. Ein klarer Trend ist nicht auszumachen.

 

Sollte das Parlament sein Einverständnis zum Deal geben, rechnen viele Analysten mit einem starken, kurzfristigen Anstieg des GBP/USD bis auf 1.35 und höher (circa plus 5%). Dies würde im EUR/GBP Kursen von circa 0.85 und im GBP/CHF von 1.35 entsprechen. Bei einem negativen Entscheid wird erwartet, dass das Britische Pfund nochmals massiv unter Druck geraten würde und Kurse von bis zu minus 10% möglich wären.

 

Fazit: Das Chancen-/Risikoverhältnis spricht klar für eine Absicherung für GBP-Engagements.