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Devisenmanagement für Unternehmer - Ein Expertenkommentar aus der Praxis

Signifikante Schwankungen sind die Regel. Wir Schweizer sind eine Ex-portnation. Im letzten Jahr haben wir Waren und Dienstleistungen im Wert von über 200 Milliarden Franken exportiert. Ein Grossteil davon ging nach Europa, mehr als jeder fünfte Franken wird aber in Asien bzw. jeder sechste Franken in Amerika verdient.

Während sich der Wechselkurs zum Euro seit der von der Schweizerischen Nationalbank 2011 durchgesetzten Untergrenze kaum mehr bewegt, schwankt beispielsweise der US Dollar nach wie vor deutlich. Seit fünf Jahren grob zwischen 0.7 und fast 1.20 Schweizer Franken per US Dollar. Angenommen ein Schweizer Unternehmer verkaufte in diesen Jahren jeweils Waren für USD 500‘000 jährlich. Dies hätte einem Umsatz in Schweizer Franken zwischen 350‘000 und 600‘000 Schweizer Franken entsprochen. Der Umgang mit Fremdwährung entscheidet über Haben oder nicht-Haben resp. über Ertragssteigerung oder –minimierung.

Meine Erfahrung zeigt, dass Währungseinflüsse oftmals unterschätzt werden.

Auch unsere Studie zur Financial Literacy der Unternehmer bestätigt diesen Punkt. Die befragten Unternehmer mussten die Schwankungsbreite des Währungspaares USD-CHF innerhalb der letzten drei Jahre schätzen. Über 30% der Unternehmer gaben einen Wert von unter 10% an und unterschätzten die effektive Schwankungsbreite damit deutlich. Am besten lässt sich die diesbezügliche Relevanz am Beispiel der befragten Unternehmer aus Industrie und Handel erkennen. Beide Gruppen geben in klarer Mehrheit (rund 80%) an, dass sie Devisenmanagement brauchen. Gleichzeitig wird aber auch in diesen üblicherweise stark mit dem Ausland verbandelten Branchen die Schwankungsbreite in knapp 30% bzw. 20% der Antworten deutlich unterschätzt. Dies deckt sich mit meinen Erfahrungen. Menschen neigen dazu, schnell zu vergessen. Wer kann sich heute noch erinnern, dass man noch vor rund 4 Jahren über 1.15 Franken für einen Dollar bezahlen musste. Im Jahr 2011 hingegen war der Dollar zeitweise nur knapp 70 Rappen wert.


Ich beobachte nun seit mehreren Jahrzehnten die Dynamik der Währungsmärkte und stelle die etwas überspitzt formulierte These auf: Ein Unternehmen sollte eigentlich bis auf wenige Ausnahmen kein Kassageschäft brauchen. Ein einfacher Tausch von einer Währung in eine andere bedeutet nämlich nichts anderes, als dass man die Möglichkeit eines Termingeschäftes im Vorfeld verpasst hat. Mit einem Devisentermingeschäft sichert sich ein Unternehmer eine feste Kalkulationsbasis und verzichtet dafür auf die mögliche Opportunität, dass der tatsächliche Kursverlauf günstig verlaufen wäre und man einen Kursgewinn erwirtschaften hätte können. Man beachte meine Wortwahl „hätte können“. Das bringt es auf den Punkt. Wer seine Devisenströme nicht absichert, macht sich indirekt zum Devisenspekulanten und ich denke nicht, dass dies die Aufgabe eines Unternehmers ist.


Meine konkreten Tipps an Unternehmer:

  • Bei einem Umsatz von mehr 5% in einer Fremdwährung und /oder bei Fremdwährungsbeständen im Gegenwert von mehr als CHF 50‘000 sollten Sie sich zum Thema Devisenmanagement beraten lassen.
  • Viele Unternehmer wünschen sich eine aktivere Beratung. Fordern Sie diese ein und konkretisieren Sie Ihre Bedürfnisse. Wenden Sie sich an Ihren Bankberater und holen Sie sich eine Zweitmeinung ein.
  • Setzen Sie limitierte Aufträge zur Gewinnoptimierung bzw. zur Verlustbegrenzung. Somit wird Ihr Auftrag automatisch ausgeführt, sobald der von Ihnen bestimmte Kurs erreicht wird.
  • Nutzen Sie Devisenoptionen zur Absicherung Ihrer Währungsrisiken.
  • Halten Sie grössere Barbestände, sind Anlagen in strukturierten Produkten wie z.B. DOCU (=Double Currency Unit/Doppelwährungsanlage) interessant. Insbesondere bei seitwärtstendierenden Wechselkursen können Sie Ihr Währungsmanagement optimieren. Lassen Sie sich hierzu ein Angebot unterbreiten.