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Falsche Strategien - Die folgenschwersten Anlegerfehler

Ob Anfänger oder Routinier, an der Börse machen Anleger immer wieder die gleichen Fehler. Dies hat auch damit zu tun, dass an der Börse der Af-fekt gegen die Vernunft arbeitet. Christian Meier, stellvertretender Anla-gechef der Banque CIC (Suisse), stellt die folgenschwersten Anlegerfehler vor und zeigt, wie man diese vermeiden kann. - Teil 1

Beinahe täglich werden wir mit Verlustfällen von Anlegern konfrontiert, die leicht hätten vermieden werden können. Das Anlegen ist in den letzten Jahren nicht einfacher geworden. Wer jedoch bestimmte Grundsätze beim Anlegen befolgt, kann das Risiko von Fehlentscheidungen deutlich minimieren.

1. Die Suche nach dem schnellen Geld

Um jeden Preis schnell reich werden – von sehr hohen Renditen angelockt, erlebt manch ein Anleger ein böses Erwachen. «Heisse Tipps» werden schnell zu «teuren Tipps». Anlagen, die rasch sehr hohe Gewinne versprechen, sind nur mit entsprechend hohem Risiko möglich. Das ist immer so. Auch wenn das Risiko nicht direkt erkennbar ist, ist es da. Das ist ein Naturgesetz.

Unglücklicherweise finden verführerische Angebote immer wieder gutgläubige Opfer. Auch Finanzprofis sind davor nicht gefeit. Man denke an den Fall Dieter Behring von 2004. Dieser rühmte sich, den genetischen Code des Börsenhandels geknackt zu haben, und verursachte damit einen der grössten Schweizer Finanzskandale. Den traumhaften Renditeversprechungen konnten auch gestandene Banker nicht widerstehen. Der Fall Behring ist ein typisches Beispiel, wie eine Person durch geschickte Rhetorik und raumfüllende Aura die offensichtlichen Warnzeichen in den Schatten stellt. Es gäbe an dieser Stelle noch viele weitere Beispiele zu erwähnen. Sicher haben Sie noch einige in Erinnerung.

«When you make a mistake, don’t look back at it long. Take the reason of the thing into your mind and then look forward. Mistakes are lessons of wisdom. The past cannot be changed. The future is yet in your power.» - Hugh White

Gefährliche Verlockungen müssen keineswegs betrügerisch sein. Grundsätzlich muss man das Undenkbare in Betracht ziehen. Auch wenn an der Börse wiederkehrende Muster zu beobachten sind, kann man sich nicht auf diese verlassen. Wer seine Anlagestrategie an vergangenen Entwicklungen ausrichtet, kann böse überrascht werden und hohe Verluste erleiden.

Die besten Voraussetzungen für einen hohen Gewinn bietet ein langfristiger Anlagezeitraum. Als Anleger sollte man klar zwischen Anlegen und Spekulieren unterscheiden können. Wer über Nacht Millionär werden will, versucht sein Glück wohl besser im Casino.

Risiko ist an und für sich nichts Schlechtes. Wo Risiko ist, sind auch Chancen. Fragen Sie immer nach dem Risiko. Nur wenn Sie das Risiko verstehen, können Sie es richtig einschätzen. Blenden Sie persönliche Sympathien oder Antipathien aus und überlegen Sie sich in Ruhe, was Ihre Chancen und was Ihre Risiken sind. Schreiben Sie es auf und schlafen Sie darüber.

2. Alles auf ein Pferd setzen

Die Konzentration auf nur ein Finanzprodukt oder auf einzelne Aktien erhöht das Anlagerisiko. Alle Märkte bewegen sich. Zum Vorteil der Anleger bewegen sie sich nicht immer gleich. Wenn Sie beispielsweise in verschiedene Anlageklassen investieren und neben Aktien auch Anleihen und Rohstoffe im Portfolio haben, können Sie einen Kursverlust am Aktienmarkt viel besser verkraften als mit einem reinen Aktienportfolio. Oft machen Anleger auch den Fehler, nur das zu kaufen, was sie kennen. Das führt zwangsläufig zu einem einseitig ausgerichteten Portfolio, das schneller in eine Schieflage geraten kann, da sich die Kurse einer Branche oder einer Region meist in die gleiche Richtung entwickeln.

Diversifikation ist der wohl wichtigste Tipp für Anleger. Sie beginnt bei den verschiedenen Anlageklassen (Aktien, Obligationen, Rohstoffe oder Immobilien), umfasst Währungen, Länder, Regionen, Sektoren und weitere Kriterien. Die Frage nach der optimalen Mischung kann nur individuell beantwortet werden. Entscheidend ist zum einen die eigene Risikoneigung und -tragfähigkeit. Wer kurz vor der Rente steht, hat andere Bedürfnisse und Anforderungen als ein ungebundener 30-jähriger Anleger. Zum anderen ist die Anlageklasse zu berücksichtigen. Investiert man vornehmlich in stabile, sehr genau bewertbare Unternehmen (vornehmlich Bluechips), benötigt man weniger Diversifikation, als wenn man in Turnaround-Kandidaten oder Start-ups investiert. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die eigene Psyche. Wer sensibel auf starke Portfolioschwankungen reagiert, muss seine Anlagen stärker streuen. Ein ungutes Gefühl verleitet meist zu voreiligen Fehlentscheidungen.

Mit der Diversifikation sollte man es allerdings nicht übertreiben. Die einzelnen Positionen könnten zu klein werden. In der Theorie wird dieser Aspekt meist ausgeblendet. Der Investor bekommt den Fehler jedoch spätestens bei der Abrechnung der Börsentransaktionskosten zu spüren. Diese können die Rendite deutlich schmälern.

Ein weiterer Tipp: Die Gewichtung der Anlageklassen ist anerkanntermassen zu rund 90 Prozent ausschlaggebend für den Erfolg und nicht die eigentliche Titelwahl. Bevor Sie sich mit der Frage beschäftigen, ob Sie Roche oder Novartis kaufen, prüfen Sie, ob Sie auch in Obligationen oder Rohstoffen positioniert sind.