Nachfolger verzweifelt gesucht – Generation Y will nicht

Man sollte meinen, dass die Söhne und Töchter in Familienunternehmen mit Freude den Betrieb ihrer Eltern übernehmen. Scheint es doch die komfortabelste Art und Weise zu sein, Geschäftsleiter oder Inhaber zu werden.

Die familieninterne Nachfolge ist auch die Option, die im Rahmen einer Firmenübertragung am häufigsten gewünscht wird. Unternehmer möchten ihr Geschäft an ihre Kinder übertragen. Das Lebenswerk geht nicht in fremde Hände über, Kontinuität ist gewährleistet, die eigenen Kinder sind versorgt und die eher mühsame Suche nach einem externen Nachfolger bleibt erspart. Infrage käme auch die Übergabe an Mitarbeitende (Management-Buy-out). Erst als dritte Option steht in der Regel der Verkauf an eine andere Firma bzw. eine Private-Equity-Gesellschaft.

 

Die selbstbewusste Generation Y will eigene Wege gehen. Und doch sind es die familienexternen Nachfolgepläne (MBI oder Verkauf), die in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen haben. Die selbstbewusste Generation Y – also jene jungen Menschen, die zwischen 1980 und 1998 geboren wurden – will eigene Wege gehen. Insbesondere Studierende, die aus einer Familie mit eigenem Betrieb stammen, zeigen nur schwaches Interesse an einer Übernahme, wie aus einer Studie der Universität St. Gallen (Coming Home or Breaking Free, 2016) hervorgeht. Nur 0.9% der Schweizer Studierenden, deren Eltern ein Familienunternehmen führen, möchten direkt nach dem Studium den Stab übernehmen.

 

Die Ursache sind gesellschaftliche Veränderungen. Im Vergleich zur Vorgängergeneration, der Generation X, hat heute das Individuum bzw. die persönliche Weiterentwicklung eine weitaus höhere Bedeutung und Vorrang gegenüber finanziellen Anreizen. Allerdings läge es nicht am fehlenden Unternehmergeist oder am grundlegenden Desinteresse der Jüngeren. Vielmehr wollen Unternehmerkinder gemäss der Studie unternehmerisch aktiv werden, aber eben meist nicht im elterlichen Unternehmen.

 

Eine schicksalshafte Entwicklung für Schweizer Familienunternehmen, aber auch für unsere ganze Volkswirtschaft – sind doch heute 75% der über 300 000 Unternehmen in der Schweiz Familienbetriebe, die über 60% aller Arbeitnehmer beschäftigen. Denn gleichzeitig wächst die Zahl der Unternehmer im Rentenalter. Gemäss der jüngsten Studie der Universität St. Gallen und von Crédit Suisse zur Unternehmensnachfolge (Herausforderung Generationenwechsel, 2016) sind heute über die Hälfte der KMUGeschäftsführer zwischen 50 und 65 Jahre alt und stehen unmittelbar vor der Pensionierung. Sie gehören zur Babyboomergeneration, während die Nachfolger zu weniger geburtenstarken Jahrgängen gehören.

 

Wenn nun die Generation Y lieber eigene Wege geht und diese Altersklassen deutlich langsamer wachsen, jedoch jedes fünfte KMU innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Nachfolge plant, sind nicht nur Unternehmer in der Nachfolgeregelung mehr denn je gefordert, sondern wir alle.

 

Wenn ich auf die neusten Zahlen blicke und sehe, dass bis 2021 über 400 000 Arbeitsplätze an die nächste Generation übergeben werden, was rund 10% aller Beschäftigten in der Schweiz entspricht, scheint es mir umso wichtiger, jungen Leuten wieder vor Augen zu führen, welchen Wert Traditionsunternehmen haben, dass sie auch in etablierten Unternehmen sich weiterentwickeln und ihren Start-up-Spirit einbringen und ausleben können. Dies nicht nur im Sinne der einzelnen Unternehmen, sondern auch für die gesamte Schweizer Volkswirtschaft.

 

Deshalb der Aufruf an alle Unternehmer: Beginnen Sie rechtzeitig damit, Ihre Kinder für das Unternehmen zu motivieren und sie auf ihre neue Rolle vorzubereiten. Halten Sie sich auch Alternativen offen. Es gibt keine allgemeingültige Lösung. Der Unternehmer muss den Weg wählen, der sich am besten für ihn, seine Familie und sein Unternehmen eignet, ob dies nun eine familieninterne oder externe Nachfolgeregelung ist. Initiieren Sie den Nachfolgeprozess frühzeitig. Eine externe Nachfolge zu finden, ist häufig schwierig und eine nicht zu unterschätzende Hürde stellt die Finanzierung dar. Suchen Sie von Beginn weg das Gespräch mit Ihrer Bank, klären Sie, welche Unterlagen Sie benötigen, und prüfen Sie die verschiedenen Möglichkeiten.

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CIC perspectives 4/16

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