Totgesagte leben länger

Endlich fühle ich mich wieder als Devisenhändler. Da die meisten meiner Kunden Euro orientiert sind, waren die letzten drei Jahre im Devisenhandel relativ ruhig.

Viele Unternehmen nutzten auch das „Natural Hedging“, um das Währungsrisiko einer Transaktion, also die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben in einer Währung, zu reduzieren, was im Devisenhandel zusätzlich das Bedürfnis nach Beratung minderte.


Jetzt sieht alles wieder komplett anders aus. Seit dem 15. Januar ist die Volatilität massiv gestiegen, nicht nur beim Wechselkurs Euro und Schweizer Franken. Dies macht das Händlerleben wieder spannend. Es gibt sehr viele Opportunitäten innerhalb grosser Bandbreiten. Wie das Sprichwort „Totgesagte leben länger“ uns lehrt, ist der Devisenhändler gefragt wie schon lange nicht mehr.

Trends sind aktuell aber schwer auszumachen. Die aktuelle Situation ist vor allem für risikofähigere Anleger ein Paradies. Aufgrund der hohen Volatilitäten können Kunden von höheren Prämien profitieren, die es beim Verkauf von Optionen gibt. Für „kleinere“ Anleger sind massgeschneiderte strukturierte Produkte interessant. Diese werfen bereits mit Anlagen ab einem Gegenwert von CHF 50‘000 einen anständigen Zins – hauptsächlich den Prämienanteil – ab. Die Chance respektive das Risiko besteht darin, eine Alternativwährung zu einem günstigeren Kurs als den zugrundeliegenden Terminkurs zu erhalten. Diese sogenannten DOCUs (Double Currency Unit) empfehle ich vor allem für Laufzeiten von maximal 3 Monaten.


Zurzeit werde ich öfters gefragt, ob es von den üblichen Währungen Euro, Dollar oder Pfund abgesehen, andere Währungen gibt, die für das Devisengeschäft interessant sein könnten. Durchaus haben während der letzten Jahre viele Währungen aus den Schwellenländern die Anleger magisch angezogen. Sie versprachen im Vergleich zu den Industrienationen höhere Renditen. Zinsen von 7% bis 12% (z.B. in der Türkei, Brasilien oder Südafrika) erhält man aber nicht ohne Risiko. Und dieses liegt meistens bei einer sich abwertenden Währung. Hätten Sie zum Beispiel 2009 eine Obligation in Südafrikanischen Rand (ZAR) mit einem Zins von 9% mit 100% gezeichnet, mussten Sie diese ZAR mit einem Kurs von 0.1400 gegen CHF kaufen. Heute, 6 Jahre später, liegt der Wechselkurs bei 0.0780, was einem Währungsverlust von 44% entspricht. Gleichzeitig hat auch der Zins von 9% jährlich an Wert verloren. Summa Summarum ergibt dies ein Nullsummenspiel. Der Mehrertrag kann das höhere Risiko im Durchschnitt nicht entschädigen.


Die Entscheidung, in „unübliche“ Währungen zu investieren, hängt also immer von der Risikofähigkeit des Anlegers ab. Investieren Sie zum Beispiel in eine sogenannte Rohstoffwährung wie die Norwegische Krone (NOK), welche stark mit dem Ölpreis korreliert, machen Sie Ihr Investment vor allem von dessen Preisentwicklung abhängig. Sie sind dann mit volatilen und unberechenbaren Märkten konfrontiert. Doch die Renditen können grossartig sein. Wichtig ist hier eine ständige Überwachung der Anlagen, da die „Buy and Hold“-Strategie heutzutage nicht mehr zeitgemäss ist.

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Die Studie «Financial Literacy der Unternehmer» von 2014 legt in der Bewirtschaftung von Fremdwährungen einen deutlichen Handlungsbedarf dar. Die gängigsten Devisenprodukte sind zwar bekannt. Doch Devisentermingeschäfte zur Absicherung von Devisenrisiken werden von weniger als 15 Prozent der befragten Unternehmer genutzt.
 

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CIC perspectives 2/15

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