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Unternehmer und Finanzen: Es besteht Handlungsbedarf auf beiden Seiten

Das Finanzwissen bei Privatpersonen ist mangelhaft. Selbst einfachste Fragen können von der Mehrheit der Bevölkerung nicht richtig beantwortet werden, wie eine Studie von Annamarie Lusardi und Olivia Mitchell von der George Washington University und der University of Pennsylvania im Frühjahr deutlich machte.

Anscheinend sehen sich viele Unternehmer – wenn auch auf einem höheren Niveau der gestellten Fragen – ebenfalls nur ungenügend mit finanzfachspezifischem Wissen ausgestattet. Diese Erkenntnis lässt eine im Auftrag und in Zusammenarbeit mit der Banque CIC (Suisse) durchgeführte Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz zu: 363 Entscheidungsträger von Unternehmen bzw. selbstständige Unternehmer wurden durch ein Marktforschungsinstitut einzeln befragt.


Obwohl ein gesundes finanzielles Fundament für eine prosperierende Firma unerlässlich ist, geben zwischen 27% und 49% der Unternehmer an, dass es in den vier Bereichen Liquiditätsplanung, Devisenmanagement, Finanzierung und Dokumentargeschäft in ihrem Unternehmen klare Optimierungsmöglichkeiten gibt. Insbesondere in den ersten drei Bereichen scheinen die Unternehmer nur mässig überzeugt von ihren getroffenen Massnahmen.


Es kommt erschwerend hinzu, dass sich zwischen 35% und 47% der Unternehmer von den Banken schlecht bzw. weniger gut beraten fühlen. Während die Unternehmer einen Grossteil der in der Studie genannten Bankprodukt/-dienstleistungen zu kennen glauben, fallen die Zahlen bei der Nutzung dieser Angebote markant tiefer aus. Betrachtet unter dem Gesichtspunkt, dass nur jene Finanzprodukte verwendet werden sollten, die der Nutzer auch versteht, ist diese Erkenntnis der Studie durchaus positiv zu werten. Angesichts der damit brachliegenden Effizienz- und Renditegewinne bzw. Risikosenkungsmöglichkeiten zeigt sich aber deutlicher Handlungsbedarf: So geben zum Beispiel 39% der Unternehmer an, den Zinssatz ihres Kontokorrents nicht zu kennen – entsprechend verzichten diese auf Zinserträge durch eine optimierte Liquiditätsbewirtschaftung.


Gemäss dem Umfrageergebnis wünschen sich die Unternehmer von ihren Banken in erster Linie eine aktivere Beratung, was ein in der Studie ermitteltes Grundproblem löst: Wir leben in einer spezialisierten Gesellschaft, in der Unternehmer keine Finanzspezialisten und Finanzspezialisten keine Anwälte, Architekten, Ärzte oder Industriegrössen sind. Es wäre deshalb vom durchschnittlichen Unternehmer ebenso zu viel verlangt, Liquidität, Devisen sowie Finanzierung alleine optimal zu steuern, wie es unrealistisch ist, dass sich ein Bankberater selber die gebrochene Nase richtet.


Es liegt damit an den Banken, das Vertrauen der Unternehmen in ihre Dienstleistungen zu stärken, und dies kann und muss in erster Linie über einen Wissensaufbau geschehen. Aktive, wissensfördernde Beratung ist damit nicht nur ein Wunsch der Unternehmer, sondern auch eine Notwendigkeit. Es handelt sich dabei aber keinesfalls um eine Einbahnstrasse, denn auch die Unternehmer sind gefordert, sich Informationen einzuholen und die Dienstleistungen/Produkte der Banken zu vergleichen, um für ihr individuelles Unternehmen die beste, ganzheitliche Lösung für die Bereiche Liquidität, Devisen und Finanzierung zu finden.
 

Zur Studie Unternehmer und Finanzen.