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Brexit birgt das Risiko zum Flächenbrand: Jetzt handeln!

3 Fragen an Mario Geniale, Chief Investment Officer der Banque CIC (Suisse), über den Brexit und mögliche Folgen

Die Lage in Europa ist angespannt. Am 23. Juni wird in Grossbritannien über den Verbleib in der EU abgestimmt. Vielerorts wird die Wahrscheinlichkeit eines Austritts (sog. Brexit) bei mehr als 50% gesehen. Was wären die Folgen eines solchen Szenarios?

In den ersten Tagen würde Unsicherheit die Märkte beherrschen und die Aktienkurse kämen unmittelbar nach der Entscheidung stark unter Druck. Es gäbe auch eine Fluchtbewegung in festverzinsliche Titel, was die Zinsen in der EU etwas drücken würde. Der Schweizer Franken würde sich wohl nochmals leicht aufwerten. Dann käme es an den Märkten vorübergehend zu einer Beruhigung auf tieferem Niveau. Ein Brexit birgt jedoch das Risiko eines Flächenbrandes in Europa. Während der Neuverhandlungen der Verträge mit Grossbritannien würde wohl auch das eine oder andere EU-Mitglied für sich Konzessionen einfordern. Die Verhandlungen mit der Schweiz hätten zudem auf absehbare Zeit wohl keine Priorität. Solche Unwägbarkeiten sind Gift für die Märkte und Stoff für weiterhin hohe Volatilität.

Wie sollen sich Schweizer Anleger ausrichten, wenn sie das Szenario Brexit für sehr wahrscheinlich halten?

Dann sollten sie umgehend ihre Euro-Anlagen beziehungsweise ihre Währungspositionen absichern. Auch Aktienanlagen in der Schweiz sollten Anleger dann mit Put-Optionen schützen. Britische Titel gilt es in diesem Szenario zu meiden. Eine interessante Option zur Absicherung internationaler Aktienanlagen sind ETFs auf einen Volatilitätsindex. Auch für einen Flächenbrand haben Sie dann vorgesorgt.

Wie geht es weiter, wenn der Brexit ausbleibt? Was sind die nächsten Schritte für Europa und wie kann ich als Anleger davon profitieren?

Ohne Brexit wird sich die Lage deutlich beruhigen. Die EU wird Grossbritannien dann punktuell Konzessionen anbieten, aber der Flächenbrand bleibt aus. Auch für Griechenland ist die politische Lösung mit einem Schuldenschnitt schon absehbar. Die Käufe der Europäischen Zentralbank haben die Banken entlastet, so dass jetzt dieser Weg offen steht, der noch vor einem Jahr verschlossen war. Auch ohne Brexit macht eine Währungsabsicherung von Euro-Anlagen bis im Juli Sinn, denn die Kosten dafür sind gering. Bleibt der Brexit aus, so bieten sich nach den jüngst an den europäischen Aktienmärkten zu beobachtenden Korrekturen Chancen. Es gab durchaus positive Nachrichten zur europäischen Konjunktur und viele Analysten haben ihre Schätzungen für die Gewinne europäischer Unternehmen nach oben korrigiert. Dies gilt gerade auch für Bankentitel in Grossbritannien, die deutlich unter Druck waren. Mutige Anleger steigen hier schon vor der Abstimmung ein, aber auch nach der Abstimmung lohnt sich der Einstieg noch.