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Obligationenanleger im Zugzwang

Die Anleihenmärkte haben sich in den letzten Jahrzehnten tendenziell nur in eine Richtung bewegt. Die Preise von Gläubigerpapieren sind immer mehr gestiegen während die zugrunde liegenden Renditen immer kleiner wurden. Im Jahr 2015 zahlen Schweizer Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren negative Zinsen.

Das historisch tiefe Zinsumfeld führt dazu, dass es für Obligationenanleger immer schwieriger wird Performance zu generieren. Die Rendite von herkömmlichen Obligationen entschädigen den Anleger kaum noch mit den damit verbundenen Risiken. Aus diesem Grund müssen Anleger auf der Suche nach Rendite immer mehr Kredit- wie auch Zinsrisiken eingehen, um ein Minimum an Performance zu erwirtschaften.

 

Das Durationsrisiko einer Anleihe ist massgebend dafür wie sensitiv diese auf Veränderungen der Zinskurve reagiert. Je länger die Duration desto sensibler reagieren die Anleihenpreise auf Zinsschwankungen. Ein Anleiheportfolio, das im Durchschnitt eine Restlaufzeit von acht Jahren hat, weist im Normalfall eine Duration von ca. sieben Jahren auf. Ein Zinsanstieg von beispielsweise einem Prozent würde bei diesem Portfolio bewirken, dass es rund sieben Prozent auf den Anleihenpreisen verlieren würde.

 

Da man auf dem aktuellen Zinsniveau davon ausgehen kann, dass die Wahrscheinlichkeit eines Zinsanstieges höher ist als ein weiterer Fall der Renditen, müssen Anleger nach Alternativen suchen, um im aktuellen, aber auch in einem steigenden Zinsumfeld Geld zu verdienen. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation in der Schweiz und Europa rechnen wir nicht mit einem schockartigen Zinsanstieg, sondern mit graduell steigenden Zinsen über die nächsten Jahre.

 

Wie kann man sich vor einem solchen Szenario schützen?

Wir empfehlen im aktuellen Zinsumfeld die Beimischung von höher verzinsten Anleihen in das Portfolio. Diese weisen zwar ein höheres Kreditrisiko auf, zahlen aber auch einen höheren Coupon. Auch diese Assetklasse hat sich in den letzten Jahren aufgrund des Umfeldes sehr gut entwickelt. Obschon die Risikoprämien gesunken sind, sind sie im Vergleich zu qualitativ hochstehenden Anleihen immer noch attraktiv. Ein weiterer positiver Aspekt der höheren Coupons von sogenannten High Yield Obligationen ist der Schutz vor steigenden Zinsen.

 

Grund dafür ist, dass bei solchen Anleihen das Kreditrisiko im Mittelpunkt steht, während das Zinsrisiko eher sekundär ist, weshalb solche Anleihen auch weniger anfällig auf Zinsschwankungen reagieren. Bei höher verzinsten Obligationen ist jedoch eine breite Diversifikation im Portfolio wie auch eine tägliche Überwachung der Positionen unabdingbar.

 

In einem Umfeld von steigenden Zinsen ist es wichtig, das Zinsrisiko zu reduzieren. Dies zum Beispiel mit der Beimischung von Anleihen mit kürzeren Laufzeiten. Da diese aber auch eine geringere Rendite aufweisen und es keinen Sinn macht ausschliesslich solche Titel zu halten, empfehlen wir noch weitere Absicherungen.

 

Das Durationsrisiko im Anleihenportfolio kann beispielsweise zusätzlich mit dem Verkauf von Anleihen Futures oder mit dem Kauf von strukturierten Produkten abgesichert werden, welche von steigenden Zinsen profitieren. Eine weitere Option ist der Kauf von Anleihen, die an die Inflation gekoppelt sind, sogenannte „Inflation Linked Bonds“. Da die aktuell lockere Geldpolitik der Notenbanken grundsätzlich auf einen Anstieg der Teuerung abzielt, können sich Anleger mit diesen Anleihen zumindest vor negativen Realrenditen schützen.

 

Die Möglichkeiten auch in Zukunft mit Anleihen Geld zu verdienen sind vielfältig. Was sie jedoch alle voraussetzen, ist die aktive Verwaltung des Portfolios wie auch die tägliche Überwachung der Positionen.