«Kundennähe und Qualität – das sind unsere stärksten Waffen im Wettbewerb»

Als neuer CEO von CIC (Schweiz) will David Fusi die unternehmerische DNA der Bank stärken. Die Beschleunigung der Prozesse und die Nähe zum Kunden stehen im Mittelpunkt seiner Strategie zur Förderung der Entwicklung des Unternehmens. Der aus Neuchâtel stammende bisherige Leiter des Vertriebsbereichs möchte die Servicequalität zu einem echten Differenzierungsmerkmal machen.

  • 27. Mai 2026
  • News
David-Fusi-814x543

David Fusi, Sie haben gerade die Leitung von CIC (Schweiz) übernommen. Welchen Eindruck haben Sie nach Ihrem ersten Monat als CEO gewonnen?

Das eines weiten Panoramas. Wenn man CEO wird, eröffnet sich plötzlich der Blick auf das gesamte Bild: die Teams, die Prozesse, die Regulierung, die Technologie, die Erwartungen der Kunden. Alles ist miteinander verbunden, mehr als ich mir vorgestellt hatte. Das ist schwindelerregend und spannend zugleich. Das Bankenwesen ist seit 2008 ausserordentlich anspruchsvoll geworden. Eine Regulierungslawine folgt der nächsten, und das erfordert eine straff organisierte Struktur. Was mich jedoch wirklich beeindruckt hat, ist das Potenzial von CIC (Schweiz): hochspezialisierte Kompetenzen, engagierte Teams, eine echte Unternehmenskultur. Meine Aufgabe ist es nun, diese Energie weiterzugeben.

 

Was haben Sie aus Ihrem Werdegang gelernt, das für Ihre heutige Rolle als CEO entscheidend ist?

Ich habe meine Karriere bei einer grossen Bank begonnen, bevor ich 2008 zu CIC (Schweiz) wechselte, um mich einem stärker unternehmerisch geprägten Umfeld zuzuwenden. Dank dieser doppelten Erfahrung habe ich verstanden, dass eine Bank nicht mehr in isolierten Silos funktionieren kann. Jede Entscheidung, die in einer Abteilung getroffen wird, fördert oder behindert die anderen. Diese systemische Sichtweise prägt meine Führungsweise tiefgreifend. Ich setze auf Zuhören, Dialog und kollektive Intelligenz.

 

Mein Mehrwert wird in der Beschleunigung der Prozesse und der Dienstleistungen für unsere Kunden liegen.

 

Sie treten die Nachfolge von Livia Moretti an, die nun die Banque de Luxembourg leitet. Bruch oder Kontinuität?

Kontinuität, ohne jeden Zweifel. Ich habe gemeinsam mit ihr die derzeitige Strategie entwickelt, eine Strategie, deren Ergebnisse wir sehen und die die Glaubwürdigkeit und Sichtbarkeit der Bank gestärkt hat. Es kommt nicht in Frage, alles über den Haufen zu werfen, nur um meinen Stempel aufzudrücken. Mein Mehrwert wird in der Beschleunigung der Prozesse und der Dienstleistungen für unsere Kunden liegen. Ich beabsichtige, die bereichsübergreifende Zusammenarbeit und die Qualität stärker voranzutreiben, um an Fluidität und Kohärenz zu gewinnen.

 

Sie setzen sich für die Öffnung von Teams und bereichsübergreifende Zusammenarbeit ein. Was bedeutet dieser Ansatz konkret?

Ganz einfach: miteinander reden. Zu viele Unternehmen lassen jede Abteilung ihr eigenes Süppchen kochen, ohne auf die andere zu achten. Die Folge: Verzögerungen, Missverständnisse und letztendlich sind es die Kunden, die die Quittung erhalten. Wir werden vermehrt bereichsübergreifende Meetings zu konkreten Fällen organisieren, um gemeinsam unsere Bedürfnisse und Mängel zu identifizieren. Das Ziel ist nicht philosophischer, sondern operativer Natur. Wir wollen schneller und effizienter Antworten liefern. Ich glaube an direkte Gespräche. Viele Probleme ziehen sich in E-Mail-Ketten endlos hin, obwohl sie sich an einem Tisch innerhalb von zehn Minuten klären lassen.

 

Und was wird sich für die Kunden ändern?

Eine Bank, die flüssiger arbeitet, schneller Entscheidungen trifft und in ihrer Kommunikation kohärenter ist. Wenn die Teams wirklich zusammenarbeiten, werden Informationen weitergegeben, Entscheidungen getroffen und die Qualität gesteigert. Unser Kompass ist der Kunde, der bei jeder Abwägung absolut im Mittelpunkt stehen muss. Das ist eine alltägliche Pflicht, die von jedem Mitarbeitenden erfordert, die Wirkung seiner Arbeit auf den Kunden zu messen, der uns sein Vertrauen schenkt.

 

Qualität – darauf kommen Sie immer wieder zurück. Warum ist dieses Thema zentral geworden?

Weil dies der einzige Bereich ist, in dem wir uns wirklich von der Konkurrenz abheben können. Bankprodukte gleichen sich alle. Was ein Haus von einem anderen abhebt, ist die Qualität der Ausführung: Schnelligkeit der Reaktionen, Präzision der Reportings, Antizipation von Reibungspunkten und Qualität der Kundenbeziehung. Qualität lässt sich nicht einfach in einem Marketing-Slogan festschreiben. Sie verkörpert sich in einer Kultur. Wir haben die Punkte identifiziert, in denen wir uns verbessern müssen, und wir gehen sie direkt an. Ich ziehe eine konkrete Verbesserung einer grossen Ansprache hundertmal vor.

 

Wie kann sich CIC (Schweiz) in einem hart umkämpften Markt noch abheben?

CIC (Schweiz) ist in ihrer DNA eine unternehmerische Bank, die eng mit Unternehmen, Unternehmern und vermögenden Kunden verbunden ist. Eng verbunden mit der Schweizer Wirtschaft. In Zeiten der Grosskonzerne ist diese Nähe eine Seltenheit. Wir bieten darüber hinaus eine Agilität, die die grossen Maschinerien nicht garantieren können. Bei uns haben Sie beispielsweise direkten Zugang zu den Entscheidungsträgern. Tatsächlich ist Mundpropaganda nach wie vor unser bester Wachstumskanal. Ein zufriedener Kunde wird automatisch zum Botschafter. Genau deshalb ist Qualität von strategischer Bedeutung.

 

Wir bieten darüber hinaus eine Agilität, die grosse Maschinerien nicht garantieren können. Bei uns haben Sie beispielsweise direkten Zugang zu den Entscheidungsträgern.

 

Die Debatte um die UBS und die Eigenkapitalanforderungen bringt das Schweizer Bankenmodell erneut ins Gespräch. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Die Stabilität des Systems ist nicht verhandelbar. Die Regulierung muss sich jedoch an die Grösse und das Risikoprofil der Finanzinstitute anpassen. Heute belasten die Anforderungen mittelgrosse Banken mitunter stark. Es gilt, ein sinnvolles Gleichgewicht zu finden. Governance, interne Qualität, Risikokontrolle und Unternehmenskultur zählen gleichermassen wie rein quantitative Kennzahlen.

 

Wenn Sie fünf Jahre in die Zukunft blicken, was würde für Sie Erfolg bedeuten?

Ich würde mir wünschen, dass man sagen kann, CIC (Schweiz) sei zu einer Referenz in Sachen Qualität, Kundennähe und Agilität geworden. Eine leistungsstarke Bank, aber auch eine Bank, in der die Teams vertrauensvoll und transparent zusammenarbeiten. Wenn es uns gelingt, unsere unternehmerische Kultur weiter zu stärken und gleichzeitig das Erlebnis für unsere Kunden kontinuierlich zu verbessern, dann haben wir etwas Beständiges geschaffen.